Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt?

Leider gibt's das auch: Der Kunde hat nach 30 Tagen noch nicht gezahlt. Solange es da nicht um große Summen und offensichtliche Betrügereien geht, empfehlen wir, erst mal die Finger von kostenpflichtigen Mahnverfahren oder gar gerichtlichen Auseinandersetzungen zu lassen. Ruft einfach mal an und erkundigt euch, was los ist. Oder schreibt eine freundliche Zahlungserinnerung mit dem Tenor "vermutlich haben Sie übersehen...", ohne das böse Wort "Mahnung", ohne Fristsetzung. Oft ist die Sache damit schon geklärt – ohne die Verstimmung, die eine förmliche Mahnung hervorrufen kann.

Der Rest bleibt dem Fingerspitzengefühl überlassen. Sofern keine längere Zahlungsfrist wirksam vereinbart wurde, kommt nach § 286 BGB jeder Kunde 30 Tage, nachdem das Honorar fällig wurde und er die Rechnung erhalten hat, automatisch "in Verzug". Der Zahlungsverzug bedeutet: Von diesem Tag an kann man ihm Verzugszinsen berechnen, von diesem Tag an kann man ihn verklagen oder ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Mahnungen sind dazu nach § 286 BGB gar nicht nötig, nicht einmal die oben genannte Zahlungserinnerung ist vorgeschrieben. Handelt es sich um einen Geschäftskunden, kann seit dem Juli 2014 nach § 288 Abs. 5 BGB von ihm zudem eine pauschale Gebühr von 40 Euro verlangt werden, wenn er in Verzug geraten ist.

Ein rigides Vorgehen gegen Auftraggeber dürfte freilich zur Folge haben, dass man den Kunden nicht als Dauerkunden gewinnt. Wenn es nicht ohnehin vorhersehbar ein einmaliger Auftrag war und der Kunde sich nicht ganz offensichtlich vor der Zahlung drücken will, kann ihm mit einer förmlichen und freundlichen Mahnung noch eine Chance gegeben werden. Darin kann ruhig auch deutlich darauf hinweisen werden, dass man laut BGB das Recht hätte, seit dem 31. Tag nach Zugang der Rechnung Zinsen zu verlangen.

Will oder kann der Kunde offensichtlich nicht zahlen, sollte man nicht nur überlegen, wie groß die Chance ist, an das Geld heranzukommen. Sondern auch, wie lange man sich mit diesem Verfahren wird herumärgern müssen, wie viele Stunden und Tage es den Kopf für vernünftigere Sachen blockieren wird. Und ob die strittige Summe das wirklich aufwiegt.

Ist die Antwort auf die letzte Frage ja, dann gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Außenstände einzutreiben: Man kann Klage erheben - mit Klageschrift, Gerichtsverhandlung und nicht unerheblichen Kosten -, oder man kann ein Mahnverfahren einleiten. Das ist einfacher und kostengünstiger, da das Gericht hierbei den Mahnbescheid ohne Überprüfung einfach auf Grund der Angaben des Gläubigers erlässt. Der Bescheid ist allerdings hinfällig, sobald der Schuldner ihm widerspricht.

ver.di-Mitglieder können mit der gewerkschaftlichen Rechtsberatung beraten, ob es sinnvoller ist, ein Mahnverfahren einzuleiten oder gleich Klage zu erheben. Die Klage überlässt man, sobald die Zusage für den Rechtsschutz vorliegt, einem Anwalt; das Mahnverfahren kann man ohne Anwalt selbst betreiben, sollte aber im ver.di-Bezirk auf jeden Fall vorher Rechtsschutz beantragen.



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Quelle: www.mediafon.net//mediafon/mediafon2004/ratgeber_haupttext.php3?id=40e18a8777460&ref=&si=5a7e19d206184&view=print&lang=1&key=&wp=1
Druckdatum: 16.01.2019, 06:30:20

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