Rentenversicherung freiwillig oder auf Antrag

Freiwillige Rentenversicherung

Wer das Rentenkonto aus einer früheren Anstellung aufstocken oder eine Grundsicherung aufbauen will oder einfach nur die aktuell gute Rendite der gesetzlichen Rente nutzen möchte, kann freiwilliges Mitglied der Deutschen Rentenversicherung (DRV) werden. Ausgeschlossen sind von dieser Option alle Erwerbstätigen, die bereits über einen anderen Job gesetzlich pflichtversichert sind. Wer diese Bedingung erfüllt und mindestens 16 Jahre alt ist, muss einfach bis zum 31. März des Folgejahres die freiwilligen Beiträge zahlen.

Diese freiwillige Versicherung kann jederzeit beendet werden und auch die Beiträge sind sehr flexibel: Es kann – unabhängig vom tatsächlichen Einkommen – ein Einkommenskorridor zwischen dem Mindestbetrag von 450 € und der Beitragsbemessungsgrenze West von 7.100 € gewählt werden. Damit liegen die Beiträge beim aktuellen Beitragssatz von 18,6 % zwischen dem Mindestbeitrag von 83,70 € und dem Höchstbeitrag von 1.320,60 € pro Monat - bundesweit einheitlich. Den gewählten Beitrag müssen Selbstständige in voller Höhe selbst bezahlen und er führt zu einem monatlichen Rentenanspruch zwischen knapp 4,60 € und gut 68,00 €. "Ob sich das für Jüngere rechnet, ist ungewiss" zitiert die dpa Theo Pischke von der Stiftung Warentest im August 2018. Demnach lohnen sich die freiwilligen Beiträge aber für alle, die älter als 50 Jahre sind, denn Beitragssätze und Rentenniveau seien derzeit stabil. Was das exakt in Euro und Rentenpunkten bedeutet, lässt sich mit dem Rechner freiwillige Beiträge des Portals 'ihre-vorsorge.de' ermitteln.

Wer bereits pflichtversichert ist – etwa als Lehrkraft, Publizistin, Künstler oder auf Antrag – kann sich nicht zusätzlich freiwillig versichern. Ebenso dürfen Regel-Rentnerinnen und Rentner keine freiwilligen Beiträge zahlen um ihr Rentenkonto aufzustocken. Prinzipiell sind keine Zahlungen für die Vergangenheit möglich, von diesem Grundsatz gibt es aber definierte Ausnahmen. Etwa für unschuldig Inhaftierte, selbstständige Spätaussiedler und bis zu 45-jährige, deren Ausbildungszeiten nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt wurden.

In bestimmten Konstellationen wirken sich die freiwilligen Beiträge besonders positiv aus: Sie werden beispielsweise auf die 45 Jahre Wartezeit bei der sogenannten "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" voll angerechnet, wenn 18 Jahre lang eine Pflichtversicherung bestand. Ansonsten entsteht mit der freiwilligen Versicherung eine Art "Rentenversicherung light", die allerdings seit der Finanzkrise 2008 auch als Tipp für eine Geldanlage gehandelt wird: Die Zinsen sind höher als bei vergleichbar sicheren Kapitalmarkt-Geldanlagen. Wer allerdings mehr sucht als eine Anlagemöglichkeit, also Anspruch auf das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung haben will, sollte die folgende Variante in Betracht ziehen.

Rentenversicherungspflicht auf Antrag

Selbstständige, die nicht per Gesetz pflichtversichert sind, können einen Antrag stellen, das zu werden. Der entsprechende Antrag kann nur in den ersten fünf Jahren der selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. In den meisten Fällen werden durch diese Pflichtversicherung die Versicherungsbedingungen günstiger als bei der oben erläuterten Variante der freiwilligen Zahlungen: Für Neueinsteiger gibt es bei der freiwilligen Versicherung z.B. keine Erwerbsunfähigkeitsrente mehr; auch bei der Anrechnung von Schwangerschafts- und Mutterschutzzeiten sowie Zeiten von Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Rehabilitation gibt es Unterschiede. Kurz gesagt enthält nur die Pflichtversicherung (auf Antrag) das volle Leistungsspektrum der gesetzlichen Rentenversicherung. Welche Form im konkreten Einzelfall besser ist, sollte auf jeden Fall in einer individuellen Rentenberatung, vorzugsweise bei einer der vielen DRV-Beratungsstellen, geklärt werden.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass eine Pflichtversicherung auf Antrag eben auch eine Pflichtversicherung ist. D.h., man kann sie zum einen nicht beliebig beenden, sondern nur, wenn man die selbstständige Tätigkeit aufgibt. Zum anderen gelten hier dieselben Beitragsregeln wie bei der Pflichtversicherung. Der Beitrag ist – anders als bei der freiwilligen Rentenversicherung – also nicht frei wählbar.


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