Rentenversicherungspflichtige Selbstständige

Wer sich aktuell mit dem Gedanken trägt, demnächst selbstständig zu arbeiten, sollte bedenken, dass voraussichtlich im Jahr 2021 eine Vorsorgepflicht für die allermeisten Selbstständigen eingeführt wird. Für bereits Selbstständige dürften großzügige Übergangs- und Ausnahmeregeln greifen, alle anderen werden (wie heute bereits Versicherungspflichtige) rund ein Fünftel ihres Gewinns in die Vorsorge investieren müssen. Jedenfalls dann, wenn sich im kommenden Gesetz keine Auftraggeberbeteiligung – vergleichbar den KSK-Regeln – durchsetzen lässt. Eine solche Beteiligung wird unter anderem von der Gewerkschaft ver.di gefordert, von der Wirtschaft jedoch abgelehnt.

Zurzeit schreibt das Sozialgesetzbuch 6 im §2 die Rentenversicherungspflicht für einige definierte Berufe vor. Selbstständige, die bereits heute der Versicherungspflicht unterliegen sind (vollständige Auszählung):

Die Rentenversicherungspflicht gilt bei Einkünften von mehr als 450 € im Monat (bzw. 325 € bei KSK-Tätigkeiten) und auch bei nebenberuflicher Tätigkeit: Wer neben seinem Hauptjob Nachhilfeunterricht erteilt und damit jährlich mehr als 5.400 € (KSK: 3.900 €) Gewinn erzielt, muss Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Wie sich die errechnen und wie das Einkommen nachgewiesen wird, steht im im Detailtext zu den Kosten der Renten-Pflichtversicherung.

Die Handwerker die einen zulassungspflichtiges Handwerksbetrieb (ein sogenanntes A-Gewerk) führen, können die Pflichtversicherung nach 18 Jahren Beitragszahlung verlassen, alle anderen Selbstständigen in den genannten Berufen bleiben oder werden versichert, sobald sie dabei die Gerigfügigkeitsgrenze überschreiten.

Die Versicherungspflicht entfällt, wenn Selbstständige versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen. Geringfügig Beschäftigte gelten jedoch nicht als Arbeitnehmer im Sinne des § 2 SGB 6. Allerdings können als "ein Arbeitnehmer" auch zwei (oder mehr) geringfügig Beschäftigte gelten, wenn deren Lohnsumme zusammen die 450-Euro-Grenze übersteigt (Urteil des Bundessozialgerichts vom 23.11.2005, Aktenzeichen B 12 RA 5/03 R).

Da die Versicherungspflicht der Selbstständigen heute je nach Kriterium unterschiedlich ausgestaltet ist und viele Selbstständige mehrere dieser Kriterien erfüllen, ist die Reihenfolge wichtig, welche Versicherungspflicht im Zweifelsfall vorgeht:

  • Wer hautpberuflich in Kunst oder Publizistik arbeitet oder unterrichtet, wird über die Künstlersozialkasse versichert.
  • Wer einen anderen der im § 2 SGB 6 einzeln genannten Berufen ausübt, muss sich qua Beruf auf jeden Fall rentenversichern.
  • Erst wenn diese Punkte nicht erfüllt sind, kommt die Versicherungspflicht nach Status für Selbstständige mit nur einem Auftraggeber zum Tragen – mit den entsprechenden Befreiungsmöglichkeiten.

Wer tiefer in das Thema gesetzliche Rentenversicherungspflicht einsteigen und zugleich wissen will, wie die Deutsche Rentenversicherung die Historie und Anwendung der Versicherungspflicht für Selbstständige sieht, findet deren Sicht in den Gemeinsamen Rechtlichen Anweisungen zum §2 SGB 6, die für die Prüfpraxis verbindlich sind. Darin finden sich beispielsweise die Grundüberlegungen des Bundessozialgerichts, dass es bei einer Versicherungspflicht nicht auf die individuelle Vorsorgefähigkeit ankommen kann: Weil der Gesetzgeber bei Sozialversicherungen immer generelle Regelungen finden muss und typisieren darf sowie "aus dem Solidaritätsgedanken heraus" unterliegen bestimmte Selbstständige der Versicherungspflicht "selbst dann, wenn sie im Einzelfall zu einer eigenverantwortlichen Daseinsvorsorge befähigt oder auf Grund ihrer individuellen Lebensverhältnisse nicht schutzbedürftig sind".


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