Das Übergangsgeld

Einen gewissen Ersatz für ihren gesundheitsbedingten Verdienstausfall bekommen gesetzlich Versicherte auch während einer Kur – für die es heute freilich längere und kompliziertere Bezeichnungen gibt. Solche "Kuren" gibt es heute unmittelbar im Anschluss an eine schwere Erkrankung oder Behandlung (z.B. Schlaganfall, Herzoperation, Chemotherapie) als "Anschlussheilbehandlung" (AHB), oder auch mit einem Abstand von (mindestens) vier Jahren nach einer solchen Erkrankung. Dann heißt sie "Maßnahme zur medizinischen Rehabilitation".

Solche Maßnahmen werden für gesetzlich Versicherte in der Regel von der Deutschen Rentenversicherung (DRV), einer Berufsgenossenschaft oder von der Krankenkasse bezahlt. Wer jeweils zuständig ist, dazu gibt es komplizierte Regeln, die hier nicht erläutert werden sollen: Im Zweifelsfall weiß das das Krankenhaus bzw. der Arzt, die die Maßnahme ohnehin beantragen müssen. Der jeweilige Träger übernimmt sowohl für Arbeitnehmerinnen als auch für gesetzlich (z.B. freiwillig oder über die Künstlersozialkasse) versicherte Selbstständige in der Regel die kompletten Behandlungs-, Aufenthalts-, Verpflegungs- und Fahrtkosten, die bei der Maßnahme anfallen, und ersetzen sogar einen Teil des Verdienstausfalls:

  • Wird die Reha-Maßnahme von der Krankenkasse finanziert, so zahlt diese in dieser Zeit auch Krankengeld.
  • Ist eine Berufsgenossenschaft Trägerin der Maßnahme, so zahlt sie für den Verdienstausfall ein Verletztengeld.
  • Zahlt die Rentenversicherung, so gibt es von dieser ein Übergangsgeld, das ein bisschen niedriger ist als die beiden vorgenannten Ersatzleistungen: Hier gibt es – einfacher geht es offenbar nicht – für Leute mit Kindern 75, für Leute ohne Kinder 68 Prozent von 80 Prozent des Bruttoeinkommens (höchstens aber von 100 Prozent des Nettoeinkommens), das zuletzt den Rentenversicherungsbeiträgen zugrunde lag. Unter dem Strich ergibt das ein Übergangsgeld in Höhe von etwa 60 bzw. 54 Prozent des bisherigen Bruttoeinkommens, wobei Einkommen während der Bezugszeit das Übergangsgeld mindern. Für Künstlersozialversicherte ist die Berechnungsformel ein Grund, das Einkommen in der jährlichen Meldung möglichst ehrlich zu schätzen – denn wer dort zu wenig Einkommen angibt, kriegt im Notfall auch weniger Übergangsgeld.
  • Wer eine private Krankentagegeldversicherung hat, kann diese während einer Anschlussheilbehandlung in Anspruch nehmen. Wenn die Versicherungsbedingungen – wie häufig der Fall – das ausdrücklich ausschließen, so ist die entsprechende Klausel nach einem Urteil des Landgerichts Hildesheim (Aktenzeichen 3 O 114/05 vom 5. Juli 2005) unwirksam.

Das Übergangsgeld ist zwar ein wenig niedriger als das Krankengeld, wird dafür jedoch nicht auf die maximale Bezugsdauer des Krankengeldes von 78 Wochen angerechnet. Wer also eine sehr langwierige Krankheit hat, in deren Verlauf er für vier Wochen zu einer AHB fährt, bekommt während der vier AHB-Wochen Übergangsgeld und hat dafür am Ende vier Wochen länger Anspruch auf Krankengeld.

Das Übergangsgeld ist in allen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung beitragsfrei; auf dem Rentenkonto der gesetzlichen Rentenversicherung werden jedoch 80 Prozent des bisherigen Einkommens als beitragspflichtiges Einkommen gutgeschrieben. Vom Krankengeld dagegen behält die Krankenkasse gegebenenfalls Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung ein, wie im Kapitel "Krankengeld" beschrieben.

Außerdem sind all diese Zahlungen grundsätzlich steuerfrei, unterliegen jedoch dem Progressionsvorbehalt.