Work-Life-Balance: Grenzen setzen

Die flexible Arbeitswelt setzt auf Einsatzbereitschaft der ganzen Person für die Erwerbsarbeit. Die Anforderungen an persönliches Engagement, Eigeninitiative und Eigenverantwortung, Termintreue, Markt- und Kundenorientierung wachsen. - Der Job beherrscht bei Selbstständigen daher leicht das gesamte Alltagsleben in zeitlicher, sozialer und psychischer Hinsicht.
Unregelmäßige und ausgedehnte Arbeitszeiten, häufige Erschöpfung und das Mitnehmen von Arbeit in die Freizeit – sei es als Laptop und Papiere oder als Sorgen und Probleme – wird schnell zum Dauerzustand. Hinter dem Stichwort Work-Life-Balance (WLB) verbirgt sich der Versuch, ein gesundheitsförderliches Verhältnis zwischen Arbeit und Leben zu finden. Eine unausgewogene Balance zwischen Arbeit und Leben gilt vielen Selbstständigen immer noch als geradezu "natürliches" persönliches Risiko unternehmerischer Tätigkeit und viele vermuten hinter der nur sperrig zu übersetzenden "Arbeit-Leben-Balance" leider nur eine Modefloskel, weil darunter die verschiedensten Inhalte firmieren. Egal, welcher Begriff dafür herhalten muss: Die von Auftraggebern geforderte, ständig steigende Flexibilität kann das Gleichgewicht zwischen Job und Leben so stark stören, dass Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefährdet sind.

Bei der WLB geht es vor allem darum, sich selbst gesunde Grenzen zu setzen, da eine gestörte Arbeit-Leben-Balance oft nur mit großer Mühe wieder hergestellt werden kann. Hier helfen Selbstachtsamkeit, Vorsorge und frühes Eingreifen. Dazu gehören:

  • Wichtige soziale Beziehungen pflegen, dafür freie Zeit einplanen und Hinweise auf Vernachlässigungen aus dem sozialen Umfeld ernst nehmen.
  • Hobbys und kulturellen Interessen regelmäßig pflegen und selbstkritisch prüfen, woran es liegt, wenn das Interesse an bestimmten Freizeitaktivitäten plötzlich nachlässt.
  • Feste Spielregeln und Tabus für die Zeitverwendung festlegen. Zum Beispiel: Sonntags wird nicht gearbeitet.
  • Beeinträchtigungen der Privatsphäre durch den Job ausgleichen, indem dort "Inseln der Entspannung und Ablenkung" eingebaut und sich selbst gegönnt werden. Dies können zum Beispiel Entspannungsübungen sein.
  • Energie- und Zeitverbrauch bei der Arbeit durch Zeitmanagement und gelassenen Arbeitsstil optimieren und den Zeitgewinn zumindest teilweise in Freizeit investieren.
  • Von Zeit zu Zeit prüfen, ob der Job noch mit den persönlichen Zielen und Motiven übereinstimmt und notfalls die Berufsplanung und das Unternehmenskonzept anpassen.
  • Wenn die Arbeit-Leben-Balance bereits erheblich gestört ist und die Kraft fehlt, selbst Gegenmaßnahmen zu ergreifen, umgehend Hilfe aus dem sozialen Umfeld oder von Profis anfordern.

Entscheidend ist, frühzeitig zu erkennen, dass die Arbeit-Leben-Balance aus dem Ruder gerät. Leicht entsteht dann ein Teufelskreis, bei dem die hohe Arbeitsmotivation durch chronische Erschöpfung und zunehmende Erholungsunfähigkeit ihre eigenen Grundlagen zerstört. Einige mögliche Folgen dürften dann auch schon zu Tage getreten sein: fortschreitende Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und depressive Stimmungen. Dauert die Situation länger an, sinken auch berufliche Motivation und Leistungsfähigkeit, es muss mit noch mehr Energie- und Zeitaufwand (erfolglos) gegengesteuert werden. - Wird dann nicht eingeschritten, drohen Depressionen und Burnout.

Zum Gegensteuern und zur generellen Information über das Thema Work-Life-Balance finden sich Hinweise und vertiefende Angebote in entsprechenden Fachbüchern und Broschüren (der Krankenkassen) sowie beispielsweise im Baustein Arbeitssucht des Online-Ratgeber "Zeit zu leben". Speziell zum Thema Burnout hat die Hannoversche Lebensversicherung eine kostenlose knapp 40-seitige Broschüre "Burnout und die Folgen" erstellt, die auch einen "Burnout-Test" beinhaltet.

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