Umsatzsteuerfreies Ehrenamt

Ohne besonderen Antrag umsatzsteuerfrei sind angemessene Verdienstausfallentschädigungen sowie die Spesen für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Allerdings kann nicht jede beliebige Tätigkeit zur ehrenamtlichen erklärt werden: Voraussetzung ist entweder ein Wahlamt – sei es als Ratsfrau, als Mitglied eines Gewerkschaftsgremiums oder als Vereinsvorsitzender – oder eine öffentliche Bestellung. Und natürlich darf ein Ehrenamt nicht "berufsmäßig" ausgeübt werden: "Liegt ein eigennütziges Erwerbsstreben oder eine Hauptberuflichkeit vor bzw. wird der Einsatz nicht für eine fremdnützig bestimmte Einrichtung erbracht", stellt der hier einschlägige Umsatzsteueranwendungserlass im Abschnitt 4.26.1. fest, "kann unabhängig von der Höhe der Entschädigung nicht von einer ehrenamtlichen Tätigkeit ausgegangen werden". Als Beispiele nennt der Erlass Tätigkeiten, die im Umfang einer Teilzeit- oder sogar Vollzeitbeschäftigung stattfinden, sowie Entschädigungen, die sich "an der Qualifikation des Tätigen und seiner Leistung orientiert". Keine ehrenamtliche Tätigkeit sind damit alle Honorare die für eine Leistung bezahlt werden und nicht lediglich als "Entschädigung für Zeitversäumnis oder Verdienstausfall" gezahlt werden.

Handelt es sich um eine echte ehrenamtliche Tätigkeit, bei der sich die Zahlung der Entschädigung nicht an der Qualifikation oder einer Leistung orientieren darf, bleiben "angemessene" Entschädigungen umsatzsteuerfrei. Das sind nach dem Erlass Entschädigungen, die 50 € pro tatsächlich geleisteter Stunde nicht überschreiten. Zudem dürfen sie jährlich nicht mehr als 17.500 € betragen. Tätigkeiten schließlich, die vom Zeitaufwand her auf eine (mindestens Teilzeit-)Beschäftigung hinweisen, werden ebenfalls als "eigennütziges Erwerbsstreben" bewertete und können nicht von der Umsatzsteuer befreit werden.

Pauschale Vergütungen, etwa regelmäßige monatliche Zahlungen, sind daher immer umsatzsteuerpflichtig, sobald sie unabhängig von einem tatsächlichen Zeitaufwand gezahlt werden. Die 50 € pro Stunde – die Formulierung "regelmäßig" im Erlass sagt das schon – sind keine absolute Obergrenze. Höhere Vergütungen können umsatzsteuerfrei sein – dann aber muss das Finanzamt im Einzelfall überzeugt werden, dass die Entschädigung tatsächlich angemessen ist. Spesen wie ein Kilometergeld oder Pauschalen für einen Verpflegungsmehraufwand können natürlich in voller Höhe erstattet werden. Und um beiden Seiten die Prüferei bei den konkreten Umständen der ehrenamtlichen Tätigkeit zu ersparen, kann die Steuerbefreiung auch ohne weitere Kontrollen gewährt werden, wenn alle entsprechenden Entschädigungen in einem Jahr den sogenannten Übungsleiterfreibetrag von derzeit 3.000 € (2020: 2.400 €) nicht überschreiten.


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