Einkommensteuer und Steuerformulare

Die Einkommensteuer ist eine persönliche Steuer. Steuerschuldner ist der Selbstständige selbst, nicht "seine Firma" und auch nicht seine GbR, falls er eine solche zusammen mit anderen gebildet hat. Sein Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit ist automatisch steuerpflichtiges Einkommen – auch ohne dass er ihn "entnommen" oder sonst wie in seine persönliche Sphäre transferiert hat: Das Finanzamt unterscheidet nicht zwischen Privat- und Geschäftskonto.

Einkommensteuer muss aber nicht nur für Einkünfte aus selbstständiger Arbeit gezahlt werden, sondern für alle denkbaren Einkunftsarten, z.B. auch aus nichtselbstständiger Arbeit, aus Vermietungen, aus Kapitalvermögen und Ähnlichem.

Für die Einkommensteuererklärung werden die Einkünfte für jede Einkunftsart einzeln festgestellt und zum Gesamtbetrag der Einkünfte addiert. Wer bei einer Einkunftsart Verluste gemacht hat, kann sie gegen positive Einkünfte aus anderen Quellen aufrechnen.

Das zu versteuernde Einkommen ergibt sich, indem vom Gesamtbetrag der Einkünfte entsprechend den Eintragungen im Formular "Einkommensteuererklärung" die Sonderausgaben, die außergewöhnlichen Belastungen und eventuelle Freibeträge abgezogen werden. Von diesem zu versteuernden Einkommen sind 9.744 € im Jahr steuerfrei. (Grundfreibetrag nach § 32a EStG.) Was darüber hinausgeht, muss versteuert werden. Daher muss, wer Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit erzielt, eine Steuererklärung abgeben, sobald die zu versteuernden Einkünfte über diesem steuerfreien Existenzminimum liegen.

Die Einkommensteuererklärung ist unaufgefordert jeweils bis zum 31. Juli (bei Einschaltung einer Steuerberatung bis Ende Februar des dann folgenden Jahres) für das abgelaufene Jahr abzugeben. Fristverlängerungen können beim Finanzamt formlos beantragt werden, wer die (verlängerten) Steuerfristen versäumt muss einen Zuschlage von 25 € pro Monat oder 0,25 Prozent der Nachzahlungssumme zahlen. [Für das Jahr 2020 wurden die Fristen coronabedingt (per "Omnibus-Gesetz") auf den 1.11.21 bzw. 31.5.22 verlängert.]

Die Einkommensteuererklärung muss  elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden. Ausnahmen können beim Finanzamt beantragt werden, aber nur dann genehmigt, wenn die elektronische Übermittlung eine "unbillige Härte" darstellen würde. Die wird insbesondere angenommen, wenn allein wegen der Steuererklärung ein PC angeschafft werden muss.

Die Einkommensteuererklärung besteht mindestens aus drei Teilen, die wiederum eigene Anlagen (beispielsweise ab der Erklärung 2020 die Anlage Corona-Hilfen) enthalten:

  • der Gewinnermittlung (auf dem Formular "EÜR" für die Einnahmenüberschussrechnung,
  • der "Anlage S" (für Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit) und/oder "Anlage G" (für gewerbliche Einkünfte) sowie
  • dem Mantelbogen, also dem Formular "Einkommensteuererklärung".

Je nach Vorsorgesituation und weiteren Einkünften kommen gegebenenfalls noch folgende Anlagen hinzu:

  • Vorsorgeaufwand für Altersvorsorge und Versicherungsbeiträge,
  • AV, wenn ein Riester-Rentenvertrag existiert,
  • N, wenn (zusätzlich) Einkünfte aus einem abhängigen (Neben-)Job erzielt werden,
  • KAP, wenn Kapitaleinkünfte zu erklären sind (sowie AUS, wenn die im Ausland erzielt werden),
  • sowie R, wenn Renten bezogen werden.

Eine Übersicht über alle (weiteren) Formulare mit Downloadmöglichkeit gibt es bei vielen Steuerportalen im Netz, beispielsweise bei steuern.de. Aber Achtung: Selbstständige müssen die Einkommensteuererklärung via Internet abgeben, abhängig Beschäftigte können das tun oder auch die Papierformulare nutzen. Details stehen im Kapitel Steuererklärungen via Internet. Ansonsten gibt's die papiernen Steuerformulare im Finanzamt oder zum Download im Formularcenter der Bundesfinanzverwaltung.

Mit dem Einkommensteuerbescheid setzt das Finanzamt die endgültige Steuerschuld und damit in der Regel eine Nachzahlung bzw. Erstattung fest. Liegt die Jahressteuerschuld über 400 €, werden gemäß § 37 Abs. 5 EStG im nächsten Jahr vierteljährliche Einkommensteuervorauszahlungen fällig. Deren Höhe kann per Antrag jederzeit an ein verändertes Einkommen angepasst werden, denn der Vorauszahlungsbescheid steht immer unter dem Vorbehalt der Nachprüfung nach §164 (1) AO und daher kann die Vorauszahlung auch jederzeit durch einen Antrag auf Herabsetzung geändert werden. Natürlich muss der Antrag plausibel begründet sein. Die Vorauszahlungen sind übrigens auch bei nebenberuflicher Selbstständigkeit und allen anderen Einkommen (etwa Renten) fällig, bei denen es keinen Steuerabzug an der Quelle gab. – Aber natürlich erst, wenn die fällige Vorauszahlung auf alle Einkünfte die Grenze von 400 € im Jahr oder 100 € im Quartal überschreitet.


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